Die Entwicklung am US-Anleihemarkt werden schon länger thematisiert.
Inzwischen hat sich das technische Bild weiter zugespitzt: Die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihe sind über die vielbeachtete 200-Tage-Linie gestiegen.
Damit wurde ein wichtiger technischer Widerstand überwunden. Gleichzeitig zeichnet sich im Chart eine mögliche Bull Flag ab – ein Muster, das häufig als Fortsetzungsformation innerhalb eines bestehenden Aufwärtstrends interpretiert wird.
Auch die heutige Auktion 10-jähriger US-Staatsanleihen sendete ein klares Signal:
Die Nachfrage fiel vergleichsweise schwach aus.
Das bedeutet im Kern: Investoren fordern eine höhere Rendite, um US-Staatsanleihen zu halten – entsprechend geraten die Anleihekurse unter Druck.
Damit wird erneut deutlich, welche wirtschaftlichen Auswirkungen der Iran-Konflikt inzwischen auf die globalen Kapitalmärkte hat.

Im Zentrum der aktuellen Entwicklungen steht weiterhin die Straße von Hormuz, eine der wichtigsten Energieadern der Welt.
Täglich flossen vor der aktuellen Eskalation rund 20 Millionen Barrel Öl durch die Meerenge. Sollte dieser Transport dauerhaft gestört werden, entsteht ein massives strukturelles Angebotsproblem.
Selbst mit vorhandenen Umgehungsrouten bleibt ein erheblicher Engpass bestehen:
Saudi-Arabien kann etwa 6 bis 7 Millionen Barrel pro Tag über die Ost-West-Pipeline zum Roten Meer umleiten
Kuwait besitzt keine alternativen Pipelines
Die südlichen Ölexporte des Irak sind hinter der Meerenge eingeschlossen
Katars LNG-Exporte verfügen über keine Umgehungsinfrastruktur
Offshore-Produktion der VAE kann nicht umgeleitet werden
Selbst nach Abzug der saudischen Pipelinekapazitäten verbleibt damit ein Netto-Defizit von rund 14 Millionen Barrel pro Tag, für das aktuell keine alternative Transportinfrastruktur existiert.
Parallel dazu bereiten die G7-Staaten unter dem Dach der Internationalen Energieagentur (IEA) eine koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven vor.
Nach aktuellen Angaben von Vincifi (https://vincifi.com/) soll das Freigabevolumen im ersten Monat mehr als 100 Millionen Barrel betragen und damit zu den größten koordinierten Eingriffen in den Ölmarkt zählen. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 wurden insgesamt 182 Millionen Barrel aus der US-Strategic Petroleum Reserve freigegeben.
Erste konkrete Beiträge wurden bereits bestätigt. Das Vereinigte Königreich plant eine Freigabe von 13,5 Millionen Barrel, während weitere IEA-Mitgliedsstaaten ihre Beteiligung derzeit noch abstimmen.
Ziel der Maßnahme ist es, kurzfristig zusätzliches Angebot bereitzustellen, um Preisvolatilität zu dämpfen und die Versorgungssicherheit zu stabilisieren.
Allerdings bleibt der Effekt begrenzt: Strategische Reserven können temporär Liquidität in den Markt bringen, lösen jedoch keine strukturellen Angebotsprobleme, falls geopolitische Spannungen im Nahen Osten anhalten.
Besonders bemerkenswert ist dabei eine Entwicklung, die derzeit zunehmend Aufmerksamkeit erhält:
Die Straße von Hormuz ist nicht vollständig geschlossen – sie ist selektiv geöffnet.
Satellitendaten zeigen, dass der Iran seit Beginn des Konflikts weiterhin Öl exportiert. Laut entsprechenden Trackingdaten wurden seit Kriegsbeginn mindestens 11,7 Millionen Barrel iranisches Rohöl nach China transportiert.
China kauft inzwischen 80 bis 90 % der iranischen Ölexporte.
Damit entsteht eine paradoxe Situation:
Während westliche Versicherer Tankertransporte durch die Meerenge teilweise als nicht versicherbar einstufen und Handelsrouten blockiert sind, fließt iranisches Öl weiterhin Richtung China.
Diese Einnahmen sind für Teheran entscheidend, da sie unmittelbar zur Finanzierung von militärischer Infrastruktur, Drohnenproduktion und operativen Strukturen beitragen.
Ein Angriff auf Tanker mit chinesischem Ziel wäre daher für den Iran wirtschaftlich hochriskant – er würde seine wichtigste Einnahmequelle gefährden.
Der aktuelle Ölangebotsschock ist in seiner Geschwindigkeit außergewöhnlich.
Während der iranischen Revolution 1978–1979 fiel das globale Angebot nur um rund 0,03 Millionen Barrel pro Tag, was etwa 0,04 % des Weltangebots entsprach.
Die aktuelle Situation ist deutlich größer:
Angebotsverlust: 2,9 Millionen Barrel pro Tag
Anteil am globalen Angebot: etwa 2,8 %
Damit ist der aktuelle Schock rund 100-mal schneller als während der damaligen Ölkrise.
Diese Dynamik spiegelt sich auch im Preis wider.
Der Ölpreis verzeichnete zuletzt einen Wochenanstieg von 36 % – der stärkste seit Einführung der WTI-Futures im Jahr 1983.
Zusätzlich betrifft die Störung nicht nur Öl und Gas. Auch wichtige Rohstoffe wie Düngemittel und Sulfate sind von Transportengpässen betroffen.
Die Situation stellt für Notenbanken ein besonderes Problem dar.
Der aktuelle Preisdruck entsteht nicht durch übermäßige Nachfrage, sondern durch ein eingeschränktes Angebot.
Damit handelt es sich um einen klassischen Angebotsschock – ein Szenario, bei dem Zinssenkungen nur begrenzt wirken können.
Sollte sich der Ölpreisanstieg dauerhaft etablieren, könnte dies langfristig zu höheren Inflationsraten führen.
Bislang scheint dieses Risiko an den Finanzmärkten jedoch nur teilweise eingepreist zu sein.

Parallel dazu zeigen sich erste Spannungen im Kreditmarkt.
Nach bereits erfolgten Restriktionen bei privaten Kreditfonds von Blue Owl, Blackstone und BlackRock begrenzen nun weitere Anbieter die Rückgaben von Investoren aus ihren Private-Loan-Strukturen.
Solche Maßnahmen deuten häufig darauf hin, dass Liquidität im Markt zunehmend knapper wird.
Der Kreditmarkt gilt traditionell als einer der sensibelsten Frühindikatoren für finanzielle Stressphasen.
Die Reaktion der Aktienmärkte fällt derzeit gemischt aus.
Positive Impulse kamen unter anderem von starken Quartalszahlen bei Oracle, die signalisierten, dass die Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur weiter steigen.
Das stützt insbesondere den Technologiesektor und die Nasdaq.
Gleichzeitig bleibt das Bild an den breiteren Märkten vorsichtig:
Dow Jones zeitweise rund 1 % im Minus
DAX in der Spitze etwa 1,3 % schwächer
S&P 500 und Nasdaq bewegen sich dagegen relativ stabil um etwa 0,5 % Minus und konnten zeitweise sogar leicht ins Plus drehen.
US-Inflation:
Die US-Verbraucherpreise für Februar lagen weitgehend im Rahmen der Erwartungen. Der CPI stieg um +0,3 % zum Vormonat und +2,4 % zum Vorjahr, während die Kerninflation bei +0,2 % MoM und +2,5 % YoY lag. Die Marktreaktion blieb entsprechend überschaubar.

Ein besonders spannendes Signal kommt derzeit vom Ölmarkt – genauer gesagt von der Diskrepanz zwischen Spotpreis und Optionsmarkt.
Nachdem WTI infolge der Eskalation rund um die Straße von Hormuz kurzzeitig bis auf 120 Dollar gestiegen war, setzte in den vergangenen Tagen eine massive Gegenbewegung ein. Der Preis fiel innerhalb weniger Handelstage auf rund 83 Dollar zurück – ein Rückgang von fast 30 Prozent.
Auslöser der Bewegung waren vor allem politische Signale aus Washington. Donald Trump erklärte mehrfach, der Konflikt sei „so gut wie beendet“. Die Märkte reagierten entsprechend erleichtert: Der Ölpreis korrigierte kräftig nach unten.
Doch während der Spotpreis Entspannung signalisiert, sendet der Optionsmarkt ein anderes Bild.
Der OVX – das Pendant zum VIX für den Ölmarkt – misst die erwartete Volatilität von Öloptionen über die kommenden 30 Tage. In einem Szenario, in dem sich die Lage nachhaltig beruhigt, müsste dieser Index deutlich fallen.
Genau das passiert jedoch nicht.
Während WTI rund 30 Prozent seines Preisspikes abgegeben hat, ist der OVX nur moderat zurückgekommen. Nach einem Anstieg von etwa 78 auf 125 liegt der Index aktuell noch immer um 100.
Damit bleibt die implizite Volatilität außergewöhnlich hoch.
Diese Diskrepanz ist bemerkenswert:
Der Spotmarkt signalisiert Entspannung – der Optionsmarkt preist weiterhin erhebliche Unsicherheit ein.
Eine mögliche Erklärung liegt in den widersprüchlichen geopolitischen Signalen.
Berichten zufolge hat der Iran begonnen, Seeminen in der Straße von Hormuz zu platzieren. Zwar handelt es sich bislang offenbar nur um begrenzte Mengen, doch die potenzielle Kapazität reicht deutlich weiter.
Parallel dazu schicken mehrere Länder Kriegsschiffe zur Sicherung von Handelsschiffen in die Region. Gleichzeitig widersprechen sich politische Aussagen: Während Trump von einem baldigen Ende des Konflikts spricht, betonen Vertreter des US-Verteidigungsministeriums, dass militärische Operationen fortgesetzt würden, bis der Gegner vollständig neutralisiert sei.
Der Optionsmarkt reagiert auf genau diese Unsicherheit.
Denn Optionspreise spiegeln nicht primär eine Richtung wider, sondern die Bandbreite möglicher Szenarien. Solange der Markt nicht abschätzen kann, ob Öl kurzfristig wieder bei 70 Dollar oder erneut über 120 Dollar notieren könnte, bleiben die Optionsprämien hoch.
Diese Entwicklung hat auch direkte Auswirkungen auf andere Märkte – insbesondere auf Risk Assets wie Bitcoin.
Steigende Ölpreise wirken inflationär. Höhere Inflation wiederum reduziert die Wahrscheinlichkeit schneller Zinssenkungen durch die Notenbanken. Weniger geldpolitische Lockerung bedeutet in der Regel auch weniger Liquidität für Risikoanlagen.
Bitcoin ist – trotz seiner langfristigen Narrative – kurzfristig weiterhin stark vom globalen Liquiditätsumfeld abhängig.
Umso bemerkenswerter war eine Marktbewegung der vergangenen Tage: Während Gold fiel und der S&P 500 neue Jahrestiefs markierte, konnte Bitcoin deutlich zulegen und zeitweise rund 3,7 Prozent steigen.
Eine solche kurzfristige Entkopplung ist selten.
Dennoch bleibt Vorsicht angebracht.
Der VIX liegt derzeit bei rund 29 Punkten – erhöht, aber historisch nicht außergewöhnlich. Deutlich alarmierender ist dagegen die Situation am Öloptionsmarkt: Ein OVX um 100 wurde zuletzt während der extremen Marktverwerfungen im März 2020 erreicht, als Öl-Futures zeitweise erstmals in der Geschichte in den negativen Bereich fielen.
Solange der Optionsmarkt weiterhin ein derart hohes Maß an Unsicherheit einpreist, könnte der jüngste Rückgang beim Ölpreis daher eher eine technische Gegenbewegung als ein nachhaltiger Trendwechsel sein.

Fazit: Warum die Märkte weiterhin nervös bleiben
Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie eng geopolitische Konflikte, Energiepreise und Kapitalmärkte miteinander verflochten sind.
Der Iran nutzt mit der Straße von Hormuz einen der stärksten geopolitischen Hebel der globalen Wirtschaft. Gleichzeitig reagieren Öl-, Anleihe- und Kreditmärkte zunehmend sensibel auf neue Nachrichten aus der Region.
Noch scheint ein Großteil der möglichen Inflations- und Wachstumseffekte an den Märkten nicht vollständig eingepreist zu sein.
Sollte sich der Angebotsengpass beim Öl verfestigen, könnten die Auswirkungen jedoch deutlich größer werden.
Informationsquellen:
https://vincifi.com/
ÜBER DEN AUTOR

Carolin Kleinert
Carolin Kleinert ist Expertin für Versicherungs- und Finanzberatung mit langjähriger Erfahrung und einem tiefen Verständnis für individuelle Lebens- und Finanzbedürfnisse. Mit einer Leidenschaft für persönliche Entwicklung und innovativen Beratungsansätzen hilft sie ihren Klienten, maßgeschneiderte Lösungen zu finden und ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Als Autorin teilt sie ihre Erfahrungen und Einsichten, um anderen auf ihrem Weg zu finanzieller und persönlicher Freiheit zu unterstützen.
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